Auch wenn von der Temperatur her diese Woche eher Spätherbst ist… Es ist grad die üppigste Zeit des Jahres. Alles wächst unglaublich schnell und in geradezu verschwenderischer Menge. Der Moment, wo man als Kräuterfrau so richtig viel zu tun hat… 💚
Auf meinen Streifzügen begegnet mir aber leider immer wieder ziemlich unschönes Sammelverhalten. Und ich sehe es auch nicht nur in diesem Zusammenhang: Respektlosigkeit.
Viele Menschen scheinen zu glauben, dass alles, was gerade so üppig gedeiht, irgendwie für unseren Nutzen gemacht ist. Dabei übersehen sie, dass viele Inhaltsstoffe und Pflanzenteile in erster Linie der Pflanze selbst dienen — als Schutz, zur Vermehrung oder als Nahrung für Tiere. Wir sind nicht die einzigen, die hier einen Anspruch haben. Eigentlich haben wir gar keinen Anspruch. Wir dürfen teilhaben — wenn wir es mit Bedacht tun.
Was ich im Moment beobachte, macht mir Sorgen. Leute, die nicht schauen wo sie hintreten, sich schier einen Weg bahnen, händeweise pflücken, blind abreißen, Äste stellenweise richtig kahl machen. Dabei glaube ich nicht mal, dass böse Absicht dahintersteckt. Aber Gleichgültigkeit und Unwissenheit richten trotzdem Schaden an…
Eine meiner Lieblingsregeln: Der gute Sammler ist unsichtbar.
Wenn Du da gewesen bist, sieht man es im besten Fall gar nicht.
Ein konkretes Beispiel, das ich gerade überall sehe: Fichten- und Tannenspitzen. Die sind im Moment sehr begehrt — für Sirup, für Tee, für Salbe. Aber ich sehe Äste, die komplett spitzenfrei sind. Jemand hat alles mitgenommen.

Dabei sind die Spitzen das Wachstum des Baumes. Wer sie alle nimmt, verhindert, dass der Baum in diesem Jahr überhaupt weiterwächst. Was man nehmen darf: die seitlichen Triebe, die sich vielleicht gegenseitig behindern. Oder von Zweigen, die ohnehin zu dicht beieinander stehen. Ein paar von einem Ast, nicht alle. Und nie von der Spitze des Haupttriebs – denn genau um die ist der Baum im nächsten Jahr größer. 🌲
Oder Obstbaumblüten. Kirschblüten-Tee, Apfelblüten-Tee — super lecker, keine Frage. Aber aus diesen Blüten sollen ja Früchte werden. Und vorher brauchen die Bienen sie. Das soll hier kein Verbot werden — aber eine Einladung, nicht zu gierig zu sein. Blüten, die ganz dicht nebeneinander sind, oder manchmal sind nach einem windigen Tag abgebrochene Zweige am Boden zu finden…
Es geht nicht um Verzicht. Es geht darum, als Gast unterwegs zu sein, nicht als Eigentümer mit Besitzansprüchen… 😉🌿
Was Du konkret tun kannst
Nicht mehr als ein Drittel von einer Pflanze nehmen — eher weniger. Nie von einem einzelnen Exemplar alles holen. Seitentriebe bevorzugen, Haupttriebe stehen lassen. Blüten nur dort, wo reichlich da ist — und auch dort: maßvoll.
Reiße die Pflanze nicht mit der Wurzel heraus und schneide die Blätter oder Blüten mit einem scharfen Messer oder einer scharfen Schere ab – so verursachst Du die wenigsten Verletzungen.
Verlasse Deine Sammelstelle so, wie Du sie auch gerne vorfinden möchtest. Mit allem, was Dein Kräuterherz höher schlagen lässt.
Die Natur ist kein Supermarkt mit Nachlieferpflicht. Sie ist ein System, in dem wir mitspielen dürfen — wenn wir die Regeln kennen.
Und eine davon, die ich richtig schön finde, lautet:
Geschenke werden nicht geplündert. 🌿




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