Für vermutlich so einige ist mein Garten kein Garten, sondern eher unglaubliche Vernachlässigung. Weiß ich. Und da schwingt das Urteil schon mit: also so geht das ja schon mal gar nicht – wo bleiben denn da die ordentlichen Gartenregeln?
Das höchste der Gefühle: „Du hast da ja einen naturnahen Garten.“ 😉

Und mal kurz zwischendrin:
Endlich zurück in meinem Terrassenbüro…💚
Für viele ist mein Garten das, was zwischen gepflegten Rasenflächen passiert, wenn man aufgehört hat aufzupassen. Verwilderung. Vernachlässigung. Wildwuchs.
Ich sehe etwas anderes.
Ich sehe leckeren Salat, ich sehe Risotto, ich sehe Nudelsoße, Wildkräutersalz. Kein Supermarkt, keine Verpackung, kein Preisschild.
Ich sehe Heilpflanzen. Ich sehe Salben, Tinkturen – und keine Pharmaindustrie.
Ich sehe mein Abendessen, meine Hausapotheke.
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Mein Brennnesselbeet:
Suppe, Tee, Pesto, Risotto, Haarspülung, Dünger.
Und – Lebensraum für Schmetterlingsraupen, die sonst nirgendwo mehr etwas finden, weil überall englischer Rasen ist.
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Was wächst, hat seinen Grund
In einem „ordentlichen, aufgeräumten“ Garten entscheidet der Mensch, was bleibt und was im Weg ist. In meinem Garten darf vieles selbst entscheiden — und dann schaue ich, was es kann (und das ist so unglaublich viel…)
Das, was andere Unkraut nennen, hat Namen. Hat Wirkung. Hat Geschichte. Manchmal sogar seit Jahrtausenden. Es war da, bevor der Mensch beschlossen hat zu entscheiden, was eine Daseinsberechtigung hat und was nicht…














Eine Frage der Brille
Wenn ich durch meinen Garten gehe, dann sehe ich Vielfalt, Fülle, Lebendigkeit, unbändige Lebensfreude, üppiges Wachstum, friedliches Neben-und Miteinander. Natur eben.
Die gedeiht und mich beschenkt – ohne mein Zutun.
Auch wenn manche das ganz anders sehen…
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Wert ist nicht automatisch dort, wo Ordnung ist
Es ist einfach nicht entscheidend, ob etwas akkurat angeordnet, getrimmt oder designed ist.
Ein gemähter Rasen sieht natürlich super gepflegt aus. Aber er ernährt niemanden. Kein Insekt, keinen Vogel, keinen Menschen. Er riecht gut, wenn er frisch gemäht ist. Das war’s.
Mein Garten ist in weiten Teilen wild und ungezähmt. Er duftet nach feuchter Erde nach dem Regen. Er hat gefühlt 100 Grüntöne. Überall leuchtet es in bunten Farben. Überall tummeln sich die Insekten – darüber dass ich fünfzehn Vogelarten gehört habe, hatte ich ja schon geschrieben (hier kannst Du das nochmal lesen).
Er sieht aus wie Natur, weil er es ist. 🌿💚
Wenn ich eine Runde durch meinen Garten mache, dann ist da mehr Kontakt mit dem, was lebt, als viele Menschen in einer ganzen Woche haben.
Es ist jetzt auch überhaupt nicht mein Ziel, jeden zu überzeugen – würde mir eh nicht gelingen.
Aber vielleicht kann ich den einen oder anderen dazu anregen, mal eine neue Brille aufzusetzen… 🌿
Und noch etwas richtig Wichtiges: Ich fühle Weite, Raum für Entfaltung, Luft zum Atmen und ein Stück Freiheit…




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