Ist Dir auch schon einmal der Gedanke gekommen, warum manches so unglaublich aufwendig sein muss?
Wir sind umgeben von Produkten, die immer komplexer, ausgefallener und „perfektionierter“ werden. Die am besten zahlreiche Funktionen gleichzeitig erfüllen: Möbel aus High-Tech-Material, am besten staub- und wasserabweisend. Kunstvolle Blumenarrangements in Regenbogenfarben mit mehr Dekoration als Blumen. Mahlzeiten mit einer Zutatenliste, die länger ist als ein Einkaufszettel für eine ganze Woche. Joghurt in den kuriosesten Geschmacksrichtungen mit den fantastischsten Namen. Getränke mit Zusätzen für den Extra-Nutzen. Jeder scheint den anderen mit noch spektakuläreren Kreationen übertrumpfen zu wollen.
Da frage ich mich manchmal, wo das hinführen soll. Wenn das Einfache nicht mehr reicht, werden die Ansprüche immer höher – und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem nichts mehr wirklich zufrieden macht.
Echtheit statt Überfluss
Vielleicht kennst Du das: Du betrittst eine kleine Bäckerei, in der es nach frischem Brot duftet, und entscheidest Dich für ein einfaches, knuspriges Bauernbrot. Kein Chia-Dinkel-Quinoa-Traum mit Superfood-Topping, sondern schlichtes Brot – und es schmeckt köstlich. Weil es genau das ist, was es sein soll: ein Brot, das schmeckt und satt macht. Und damit eben auch ein Grundbedürfnis erfüllt.
Nicht immer ist „mehr“ auch wirklich besser. Ein Tisch aus gewachstem Holz mit schöner Maserung, an dem man gerne sitzt, kann viel mehr Wärme ausstrahlen als ein glatt lackierter Designer-Tisch. Eine einzelne schöne Topfpflanze hat mehr natürlichen Charme als ein durchgestyltes Arrangement. Ein Essen mit wenigen, hochwertigen Zutaten, bei dem man den Geschmack jeder einzelnen davon noch erkennt, kann mehr Genuss schenken als eines mit zahllosen Aromen, die man nicht mehr identifizieren kann.
Bewusst in sich hineinhören
Ich habe manchmal den Eindruck, dass manche sich „verpflichtet“ fühlen, die riesengroße Auswahl auch in Anspruch zu nehmen, die sich uns mittlerweile bietet – nur weil sie eben da ist. Dass wir uns nicht getrauen einzugestehen, dass uns ein einfaches Gericht mit guten Zutaten glücklicher macht als ein aufwendig inszeniertes Menü. Schlichte Pellkartoffeln mit Quark (das gibt es bei mir bis heute oft… 😊), ein frisches Brot mit Tomate, eine frisch gepflückte Erdbeere, eine bunte Gemüsesuppe – das sind Dinge, die nicht viel brauchen, um perfekt zu sein.
Denn das Problem ist doch: Je mehr wir uns an Überfluss und vermeintliche Perfektion gewöhnen, desto schwieriger wird es, zufrieden zu sein. Wenn ein Möbelstück nicht nur praktisch und schön, sondern auch noch smart, nachhaltig und mit Geheimfächern ausgestattet sein muss, wenn ein Snack nicht einfach schmecken, sondern gleichzeitig proteinreich, vegan, glutenfrei und „instagram-tauglich“ sein soll – dann sind die Erwartungen irgendwann so hoch, dass nichts mehr wirklich begeistert.
Wenn überhaupt nichts mehr etwas Besonderes ist, dann kann es zwangsläufig nur noch Enttäuschung geben – und das ist eines der Dinge, die unserem tatsächlichen Wohlbefinden im Wege stehen. Und das kann von außen nicht „behoben“ werden – aber wir selbst können mit unserer inneren Einstellung dafür sorgen dass wir uns wohlfühlen… 🪴
Einfaches zu schätzen heißt nicht Verzicht
Als ich klein war, gab es bei uns zu Hause meistens nur am Wochenende zum Mittagessen Fleisch – den klassischen Sonntagsbraten eben. Abends gab es dann „Soße mit Brot“, also einfach Brot, in die aufgewärmte Bratensoße getunkt. Das fand ich immer unglaublich lecker… Und die „Kunst“, aus Resten etwas Leckeres zu zaubern, beherrsche ich immer noch…😉
Vielleicht ist es Zeit, wieder mit anderen Augen zu sehen. Dinge wertzuschätzen, weil sie ehrlich und echt sind. Weil sie keine Show brauchen. Weil sie etwas Besonderes sind. Ein schlichter Holztisch, eine handgeschriebene Karte, eine Schüssel warmer Suppe an einem kalten Tag, ein Glas klares Wasser an einem heißen Sommertag – da würde mir jetzt noch so unglaublich viel zu einfallen… 💕
Freude am Einfachen bedeutet nicht, sich künstlich zu beschränken. Es ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn. Es bedeutet, zu erkennen, dass das Einfache oft schon alles in sich trägt, was wir brauchen. Sie entschleunigt, erdet, verbindet uns mit dem Wesentlichen. Es ist keine Rückwärtsbewegung, sondern eine Befreiung. Denn wenn wir aufhören, ständig nach dem „Nächstgrößeren“ zu suchen, merken wir: Das, was wir schon haben, ist vielleicht schon genau richtig.
Wie sieht Eure Freude am Einfachen aus? Welche kleinen Momente in Eurem Alltag bringen Euch zum Lächeln? Erzählt mir davon in den Kommentaren – ich bin so gespannt auf Eure Geschichten! 💕🪴





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