„Toxische Produktivität ist das Gefühl, dass man immer etwas leisten und beschäftigt sein muss – selbst wenn man eigentlich total kaputt ist und eine Pause braucht. Man hat das Gefühl, nie genug zu tun, und denkt ständig, dass man produktiv sein muss, um etwas wert zu sein. Statt dass einem die Arbeit Spaß macht oder einen erfüllt, fühlt man sich oft nur gestresst und ausgelaugt. Das führt dann leicht zu einem Kreislauf, in dem man immer weitermacht, obwohl man sich dabei selbst überfordert und erschöpft.
In unserer Gesellschaft, wo viele nur darauf schauen, wie viel jemand leistet, merken manche gar nicht, dass das alles einfach zu viel wird. Sie sind müde, fühlen sich unwohl, aber denken, das gehört eben dazu. Dabei wäre es so wichtig, auch mal einen Gang runterzuschalten und sich Pausen zu gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.“
Das ist ein total spannendes Thema. Ich für mich finde es schwierig einzuschätzen, was realistisch gesehen in einem bestimmten Zeitraum machbar ist und was nicht. Wann darf man sagen: Genug für heute? Wenn man acht Stunden gearbeitet hat, seine Einkäufe erledigt, kurz getankt, auf dem Heimweg noch Milch geholt, zu Hause noch etwas im Garten gearbeitet hat, Abendessen gemacht und kurz noch am PC vorbeigeschaut hat – oder darf es auch genug sein, nach dem Arbeitstag kurz aufzuräumen, das Abendessen zu richten und dann im Garten mit einem Buch den Abend zu genießen? Leicht kann es passieren, dass man sich von anderen beeinflussen lässt: Was sie alles erledigt haben, wie früh sie aufgestanden sind, was sie bei der Arbeit alles bewältigt haben, dass sie an einem Wochenende das Wohnzimmer renoviert haben… Der Gedanke „Wenn die das schaffen, sollte ich das auch hinbekommen“ ist oft nicht weit. Dabei lässt man allerdings völlig außer Acht, dass diese Menschen sich dann ihre Pausen genommen haben, während wir gearbeitet haben, vielleicht früh ins Bett gehen oder Unterstützung hatten wo wir etwas allein bewältigt haben. Und es ist nicht leicht, mit dem Vergleichen aufzuhören, daran darf ich auch noch arbeiten…. :😉
Auch am Arbeitsplatz ist die Situation nicht einfach: oft genug sind alles was zählt, Produktivität, Effizienz und Leistungsbereitschaft. Begriffe wie Bedürfnisse, Grenzen, Anerkennung der Leistung sind leider eher Fremdworte. Ein wichtiger Schritt ist, diese Grenzen bei sich selbst bewusst wahrzunehmen. Ein bisschen aufzuräumen und dann den Abend im Garten zu genießen, kann oft viel erfüllender sein als eine endlose To-Do-Liste abzuhaken, nur um mithalten zu können. Wann ist es genug für mich? Was brauche ich gerade? Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ihnen auch Raum zu geben, ist eine Art von Selbstfürsorge, die uns hilft, nicht in einem dauerhaften Zustand von Überforderung zu landen.
Mir hilft es einerseits, einmal darüber nachzudenken, ob diese Produktivität etwas Positives für mich selbst bewirkt oder ob sie nur anderen zu Gute kommt. Erreiche ich durch die Produktivität ein persönliches Ziel? Erschaffe ich dadurch etwas, das mir Freude macht? Habe ich selber Spaß daran, produktiv zu sein, weil ich Freude am Ergebnis meiner Arbeit habe? Ein anderer Aspekt, den ich sehr schätzen gelernt habe, ist Achtsamkeit. Das bewusste Wahrnehmen. Viele sind sich ihrer toxischen Produktivität denke ich gar nicht bewusst, sie fühlen sich zwar müde und unwohl, aber es ist der Normalzustand: „ist halt so“. Sich selbst zu fühlen – davon sind diese Menschen sehr weit entfernt.
Im Achtsamkeitstraining habe ich schon oft erlebt, wie sehr durch einfache Übungen wie das Zählen von Grüntönen im Wald oder das bewusste Wahrnehmen von Gerüchen und Geräuschen, Festgefahrenes in Bewegung kommen darf. Dass Emotionen an die Oberfläche kommen, die zu lange verschüttet waren – nun können sie wahrgenommen und aufgearbeitet werden.
Natürlich spielt noch so vieles mehr eine Rolle. Aufzuhören, nur den Ansprüchen anderer gerecht werden zu wollen, alte Glaubenssätze loszulassen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen….
Es ist nicht immer einfach, den richtigen Weg zu finden – aber es lohnt sich so sehr, ihn zu suchen und zu gehen. Das wachsende Gefühl der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung ist unbezahlbar. Ich freue mich jedenfalls immer wieder, andere (und mich selbst…) auf dieser Reise zu begleiten… 😊





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