Auf die Idee, meinen Adventskranz und meinen Weihnachtsbaum sinnvoll zu verwerten, statt sie einfach nur zu entsorgen – wobei dieses Entsorgen bei mir so aussieht, dass beides auf einen meiner Totholz-Haufen im Garten kommt (die bieten ganz vielen Tieren einen tollen Unterschlupf) – bin ich tatsächlich auch erst gekommen, als ich angefangen habe, mich so intensiv mit Wildpflanzen zu beschäftigen. Klar, dass man Blätter von Pflanzen z.B. als Tee nutzt, ist allgemein bekannt. Aber die Nadeln von Bäumen? Dabei sind das ja eigentlich auch nur die sehr fest ausgefallenen Blätter von Tanne, Fichte und Co…
Deren wunderbaren Waldduft kann man einfangen: in der Naturkosmetik, der Hausapotheke und ja – auch in der Küche. Die einzelnen Nadelbaumarten haben tatsächlich alle auch ihren eigenen Geschmack: die Fichte z.B. schmeckt leicht zitronig, die Tanne waldig-harzig. Sie schmecken sowohl in der herzhaften Variante, als auch in Süß. Nadelbäume stecken voller wertvoller Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Harze, Flavonoide, Vitamin C und Gerbstoffe – sie wirken antiseptisch, entzündungshemmend, schleimlösend und hustenstillend.
Eines ist mir ganz wichtig (und das gilt für alle Wildkräuter und Wildpflanzen): Bitte verwende nur Nadeln oder Kräuter, bei denen Du absolut sicher bist und die Du ganz sicher bestimmen kannst!
Die Nadelbäume haben einen giftigen Vertreter: die Eibe. Sie ist in allen Teilen giftig, auch wenn ihre leuchtend roten Beeren sehr verlockend aussehen. Die Nadeln der Eibe ähneln auf den ersten Blick denen der Tanne – bei Fichte und Kiefer ist die Ähnlichkeit nicht ganz so groß, eine Verwechslung aber auch möglich. Wenn man weiß, wie sich die Nadelbäume unterscheiden, lassen sie sich aber gut auseinanderhalten. Unten siehst Du die Eibe und die Tanne, weil die sich am ähnlichsten sind. Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, schaut Euch auch Bilder von Fichte und Kiefer an.
Eibe


Die Nadeln der Eibe sind glänzend grün, laufen leicht spitz zu und sitzen an einem kleinen Stiel am Zweig. Die Unterseite ist wie die Oberseite gleichmäßig gefärbt.
Tanne


Die Nadeln der Tanne sind an der Oberseite glänzend grün. Sie sitzen mit einem kleinen „Saugnapf“ am Zweig. An der Spitze sind sie abgerundet. Im Unterschied zur Eibe sieht man an der Unterseite deutlich zwei helle Streifen neben der Blattachse.
Egal, was Du aus den Nadeln herstellen möchtest, achte bitte darauf, dass der Baum nicht gespritzt wurde – Dein Händler oder Deine Gärtnerei geben Dir da Auskunft. Wenn Du natürlich die Möglichkeit hast, sie direkt bei einem heimischen Waldbauern zu holen, dann nutze das super gerne.
Tee aus Tannen- oder Fichtennadeln
Für einen leckeren Tee kannst Du frische oder getrocknete Nadeln verwenden. Für eine Tasse brauchst Du ca. einen Esslöffel voll, je nachdem wie kräftig Du Deinen Tee magst. Die Nadeln etwas zerkleinern und mit heißem Wasser übergießen. Das Ganze dann abgedeckt (sonst verflüchtigen sich die ätherischen Öle) mindestens 10-15 Minuten ziehen lassen, damit sich die wertvollen Inhaltsstoffe aus den festen Nadeln lösen können. Anschließend abseihen, eventuell mit ein wenig Honig süßen und Dir schmecken lassen.
Waldiges Nadelsalz
Du brauchst:
- grobes Meersalz, Steinsalz oder ein anderes hochwertiges Salz
- fein gehackte Tannen- oder Fichtennadeln
- für eine zitronige Variante unbehandelte Zitronenschale
Bei einem selbstgemachten Kräutersalz gibt es kein festgelegtes Mischungsverhältnis. Je intensiver Du den Kräutergeschmack haben möchtest, desto mehr Kräuter und weniger Salz verwendest Du – bis hin zu einem Kräuterpulver mit Salzbeimischung. Das darfst Du für Dich entscheiden, je nach Geschmack. Allerdings würde ich das auch abhängig davon machen, wie intensiv die verwendeten Kräuter oder eben hier die Nadeln sind. Ich selber verwende einen hohen Kräuteranteil, weil ich den intensiven Geschmack der Kräuter haben möchte, aber lieber weniger Salz am Essen habe.
Die Nadeln (und die Zitronenschale, wenn Du welche verwendest) mischst Du mit dem Salz und mörserst das Ganze so fein, wie es Dir zusagt. Dafür eignet sich auch ein elektrischer Zerkleinerer gut. Die Mischung ist zunächst noch relativ feucht. Ich lasse das frische Nadel-Salz auf einem Teller mit Backpapier bei Zimmertemperatur trocknen, das dauert je nachdem wie feucht das Ganze ist, einen bis mehrere Tage. Anschließend zerkleinere ich das trockene Salz noch einmal und fülle es anschließend in ein fest verschließbares Glas ab.
Das waldige Salz schmeckt zu Gemüse, Fleisch, Fisch, in Soßen, in Quark und Dips. Sei einfach kreativ und probiere verschiedene Kombinationen aus.
Wald-Pesto für Pasta-Liebhaber mit Experimentierfreude
Zutaten:
- 50 g frische Tannennadeln
- 50 g Parmesan
- 50 g Pinienkerne, Walnüsse, Cashewkerne, Mandeln – gerne auch leicht geröstet
- 100 ml Olivenöl oder ein anderes Öl Deiner Wahl
- 1 Knoblauchzehe (oder mehr nach Geschmack)
- Salz und Pfeffer
- wenn Du es nicht allein mit Öl zubereiten möchtest, kannst Du auch ein wenig Gemüsebrühe dazugeben (das Rezept für ein Pesto mit weniger Öl und Gemüsebrühe kannst Du hier nachlesen)
Die Nadeln am besten vorab grob zerkleinern und mit den restlichen Zutaten in einem Mixer zu einer glatten Masse verarbeiten. Das Ganze schmeckst Du mit Salz und Pfeffer ab. Das Wald-Pesto schmeckt zu Pasta, aufs Brot, im Quark oder als Dip.
Und es gibt noch so viel mehr: sehr fein schmecken auch Butterplätzchen mit Tannenpulver, ein Sirup aus Fichten- und Tannennadeln kann bei Husten lindernd wirken und ein duftendes Körperpeeling lässt sich damit auch ganz leicht herstellen.
Probiere es aus – ich bin sicher, Dein Adventskranz und Dein Weihnachtsbaum werden Dir schmecken….. 😉





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