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„Ich verstehe“ heißt nicht: „Ich finde das gut“


„Ich kann das verstehen.“

Vier kleine Wörter – und plötzlich liegt Spannung in der Luft. Du erntest Stirnrunzeln. Empörte Blicke. Vielleicht sogar den Vorwurf: „Wie bist Du denn drauf – wie kannst Du das gut finden?“ – „-Wie jetzt, bist Du etwa auf der Seite von dem da?“
Und Du bist völlig perplex und fragst Dich, in welchen Film Du geraten bist…

Denn das war überhaupt nicht das, was Du gesagt hast.

Du wolltest absolut nicht sagen, dass Du etwas „gut findest“.
Nur, dass Du es nachvollziehen kannst. Dass Du erkannt hast, was dahinter steckt – was dazu geführt hat, die Beweggründe, die Ängste dahinter, die Muster.
Nicht, dass Du es entschuldigst.
Nur das Du verstehst, wie es dazu kam.

Und auf einmal bist Du die Zielscheibe. Du stehst dann da, erklärst Dich zum dritten Mal, bleibst ruhig und freundlich (zumindest äußerlich) und insgeheim würdest Du Deinem Ärger am liebsten nur mal Luft machen: „Meine Güte, hört mir doch einfach mal zu – das ist doch jetzt nicht so schwer zu begreifen!“

Dieses Phänomen begegnet mir immer häufiger, und das geht mir gehörig auf den Keks. Da braucht meine Selbstbeherrschung schon ein paar tiefe Atemzüge extra… 🙄


Hier ist die Audio-Version 🌿


Warum der Satz so oft falsch gehört wird

Bequemlichkeit: Schwarz oder Weiß ist einfach bequemer. Schnell in eine Schublade packen – dann muss man sich nicht mit etwas auseinandersetzen. Zugleich haben wir aber auch das Bedürfnis nach Klarheit – und feste Kategorien helfen unserem inneren Kompass, den Kurs zu halten.

Rückhalt: Einigkeit gibt ein Zugehörigkeitsgefühl. Ein gemeinsames: „Das geht ja gar nicht.“ Ein kollektives Nicken. Ein sicherer gemeinsamer Rahmen. Dann wird das Verstehen der anderen Seite wie Illoyalität empfunden, fast wie eine Bedrohung dieser Sicherheit.

Erlernte Denkmuster: „Ich verstehe das“ klingt für viele wie: „Also reg Dich nicht mehr auf.“ – „Du siehst das falsch.“ So wie man als Kind „verstehen“ sollte, dass die Eltern unfreundlich waren, weil sie einen anstrengenden Tag hatten.

Die Annahme, dass Erklärung Verteidigung bedeutet: In emotionalen Situationen geht der Unterschied zwischen erklären und bewerten leicht verloren. Wer Ursachen beschreibt, verharmlost und rechtfertigt. Punkt.

Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit: Unrecht soll Folgen haben. Wer erklärt, wie es dazu kommen konnte, scheint diese Folgen verhindern zu wollen.


Was Verstehen wirklich meint

Verstehen ist keine Verurteilung und kein Freispruch. Es ist ein Blick hinter die Kulissen. Das Erkennen einer Logik hinter einem Verhalten. Es heißt die Gründe zu sehen. Das große Ganze zu betrachten und Zusammenhänge zu finden.

Verstehen heißt, klarer zu sehen – nicht, um etwas schönzureden, sondern um besser damit umgehen zu können.

Verstehen verändert, wie wir reagieren – nicht dass wir reagieren. Und es hält uns handlungsfähig. Es verhindert, dass wir automatisch reagieren und in festgefahrenen Denkmustern erstarren – und uns die Chance zur Weiterentwicklung verbauen…


Ein paar Beispiele, die Dir vielleicht bekannt vorkommen:

• Die Kollegin fährt Dir zum dritten Mal über den Mund. Du bist genervt, innerlich kurz vorm Explodieren. Später erfährst Du: Sie steht unter massivem Druck von oben, hat Angst um ihren Job, schläft schlecht, fühlt sich überfordert.

Du kannst das Ganze jetzt nachvollziehen.
Aber findest Du ihr Verhalten dadurch plötzlich nett? Natürlich nicht.

Du kannst trotzdem sagen: „So nicht.“
Verstehen heißt nicht dulden. Es heißt: Nicht blind zurückschlagen, sondern bewusst reagieren. Aber vielleicht weniger mit innerem Groll – und mehr mit Klarheit. Vielleicht sogar mit etwas Mitgefühl.


• Du hörst jemandem zu, dessen politische Meinung Du ganz und gar nicht teilst. Du findest sie sogar gefährlich. Aber Du begreifst, woher sie kommt: aus Angst, Unsicherheit, Enttäuschung, aus einem anderen Blick auf die Welt.

Du sagst: „Ich verstehe, wie Du zu dieser Haltung kommst.“
Aber verteidigst Du diese Haltung damit automatisch? Natürlich nicht.

Denn Du darfst trotzdem Deinen gegenteiligen Standpunkt vertreten – und je besser Du verstehst, desto gezielter kannst Du seinen entkräften statt blind zu schießen.


• In der Familie gibt es Diskussionen über queere Identität, neue Lebensformen, gendergerechte Sprache, Rollenklischees. Und dann sagt Oma einen Satz, bei dem sich Dir sämtliche Haare sträuben, so absurd scheint er.

Dann atmest Du durch und erinnerst Dich: Sie ist in einer völlig anderen Zeit aufgewachsen. Als es diese Themen offiziell gar nicht gab, ohne die heutige Medienwelt, ohne die technischen Möglichkeiten, die für uns selbstverständlich sind. Ohne Gleichberechtigung (auch wenn’s da immer noch ein bisschen hapert… 😉) DU verstehst den kulturellen Kontext – aber das heißt nicht, dass Du ihre Aussage unkommentiert lassen musst.

Vielleicht kannst Du ihr etwas erklären. Vielleicht auch nicht. Aber Du brichst das Gespräch nicht gleich ab. Du respektierst ihre Ansicht, äußerst Deine – und wechselst ganz entspannt das Thema.



Beim nächsten Mal, wenn Du hörst: „Ich verstehe das“ – warte mit Deiner Reaktion:
Was genau wollte Dein Gegenüber ausdrücken?
Und wo könntest Du vielleicht etwas missverstanden haben? Frag einfach mal nach und Du wirst sehen, was ein Blick über den Tellerrand alles bewirken kann. Vielleicht entsteht Dialog wo sonst nur Mauern stehen bleiben… 😉🌱



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Eine Antwort zu „„Ich verstehe“ heißt nicht: „Ich finde das gut““

  1. „Bequemlichkeit: Schwarz oder Weiß ist einfach bequemer.“
    Definitiv. Trotz unserer (pardon, Achtung: wokes Wort!) diversen Welt, in der jeder Jeck anders ist (uralte rheinische Lebensweisheit, die noch nix von woke wusste) gibt es keine Grauzonen mehr, denn s/w ist viel einfacher.
    Grauzonen gibt es
    a) nur noch in der Rechtfertigung „das wird man ja wohl mal sagen dürfen“, was man darf und was man besser nicht mal denken sollte, und
    b) innerhalb der Definition, wie weit ich meine Freiheit auslegen darf, was sehr wahrscheinlich die Grenzen anderer übertritt. Na ja, und darauf folgend wie ich meinen Grenzschutz mache, schieße ich mit Spatzen auf Kanonen oder umgekehrt.

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…darf sich auch meine Arbeit wandeln und entwickeln. All das, was ich so unheimlich gerne an andere Menschen vermittle, findet jetzt ein Zuhause unter einem gemeinsamen Dach:

Weil Deine Natur nicht Funktionieren ist – sondern Du selbst zu sein🌱

Und nicht immer so, wie andere Dich gerne hätten.

Ich renoviere und erweitere meine Kurse und sortiere meine Hexenküche neu. Wenn Du schon mal einen kleinen Einblick bekommen möchtest, was auf Dich wartet, dann komm doch einfach mal in meinem Uteversum vorbei – ein Klick auf das Bild bringt Dich direkt dorthin! 🌿