„Warum willst Du denn wegfahren? Zu Hause ist es doch auch schön.“ Hast Du vielleicht auch schon gehört – in Kombination mit verständnislosem Kopfschütteln. Fast so, als hätte man sich gerade eine goldene Badewanne gewünscht. Von Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände zu sprechen wird inzwischen manchmal wie ein frecher Luxus betrachtet. Schließlich gibt es Balkonien, den Schrebergarten, den Park um die Ecke – reicht doch.
Stimmt, es kann eine wunderbare Gelegenheit sein, die eigene Stadt und die Umgebung neu zu erkunden – und zu merken, wie viel Schönes man direkt vor der Nase hat.
Du kannst ausschlafen, ohne etwas zu verpassen, musst keine Koffer packen, hast Zeit Rezepte aus dem neuen Kochbuch auszuprobieren. Oder Du erledigst Dinge, die sonst liegenbleiben: den Keller entrümpeln, dem Papierstapel auf dem Schreibtisch zu Leibe rücken.
Und da lauert eben auch die Gefahr: allzu oft läuft Dein Alltag einfach weiter, nur ein bisschen langsamer. Du strukturierst den Tag ähnlich wie sonst. Die Wäsche will trotzdem gemacht, der Kühlschrank gefüllt werden, die Post durchgesehen, das Telefon klingelt. Aus jeder Ecke blickt Dich Unerledigtes vorwurfsvoll an.
Selbst wenn Du Dir vornimmst: „In diesem Urlaub mache ich mal tatsächlich alles anders“, die Routine ist meistens stärker. Das schlechte Gewissen, untätig und faul zu sein, sowieso…😉 Oft fühlt sich ein „Urlaub daheim“ dann eher an wie „Arbeiten in gemütlicheren Klamotten“ – und der Erholungsfaktor? Ziemlich sparsam… Und das ist ja nun nicht der Sinn und Zweck von Urlaub! 🌅
Wir Menschen sind nicht für Stillstand gemacht. Ein kleines Stück Zugvogel steckt in jedem von uns. Manchmal braucht es einfach mehr als Bequemlichkeit und Vertrautheit. Dann braucht es den Wechsel der Kulisse, um auch die innere Perspektive zu verändern. Sonst ist es, als würden verschiedene Theaterstücke immer im gleichen Szenenbild spielen…
Ein altes und, wie ich finde, sehr wahres Sprichwort sagt: Reisen bildet. Damit meinte man nicht nur, dass man historische Fakten lernt oder exotische Speisen probiert. Gemeint war auch das Lernen durch Begegnung: andere Menschen, andere Lebensweisen, andere Rhythmen. Plötzlich merkst Du, dass „pünktlich“ in einem anderen Land vielleicht heißt, dass der Bus irgendwann zwischen neun und halb zehn kommt. Oder dass ein freundlicher Gruß in der Landessprache Sprache ein Lächeln hervorrufen kann, das länger nachwirkt als jedes Souvenir.
Ein Ortswechsel ist oft auch ein Perspektivwechsel. Du stehst morgens nicht vor dem gleichen Fenster, schaust nicht auf den gleichen Baum, sondern auf einen Strand, eine Bergkette oder eine wuselige Altstadt. Allein das verändert, wie Dein Tag sich anfühlt. Du bist wacher, weil nichts selbstverständlich ist. Selbst ein Bäckerbesuch wird zur kleinen Entdeckungsreise.
Unterwegs sein, selbst nur für ein paar Tage, schafft hingegen Abstand – nicht nur geografisch, sondern auch gedanklich. Du trittst heraus aus Deinen Gewohnheiten, weil Du gar nicht anders kannst. Ein anderes Umfeld bringt es automatisch mit sich, dass Du Dich neu orientierst, Dinge anders machst als sonst. Ausgetretene Pfade verlässt. Das bringt Frische ins Denken, lässt eingefahrene Muster wackeln.
Reisen – egal ob ans Meer, in die Berge, in eine andere Stadt oder einfach ein paar Dörfer weiter – ist kein Wettbewerb im „Weiter-weg-kommen“. Es ist eine Einladung, sich selbst in einem anderen Licht zu betrachten. Manchmal merkt man schon nach einer Nacht in einer anderen Umgebung, dass sich ein Gefühl der Befreiung ausbreitet, dass man selbst darüber bestimmen kann, was man wann tut – und nicht die äußeren Umstände…. 🌱
Vielleicht ist das der wahre Luxus am Unterwegssein: nicht der Pool, nicht das Hotelbuffet, sondern der Moment, in dem Du aus der Gewohnheit heraustrittst und etwas Neues entdeckst – im Außen und in Dir selbst.
Am Ende geht es ja nicht darum, ob Urlaub zu Hause oder unterwegs besser ist. Sondern eher darum, was Du gerade brauchst. Ruhe in der vertrauten Umgebung – oder frischen Wind um die Nase, der Deine Gedanken durchpustet? 🌅🌳🌄





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