🌿 Willkommen in meinem kleinen digitalen Kräutercafé. Hier gibt’s Wildkräuter, Naturwissen, gedankliche Streifzüge und kleine Pausen fürs bewusste Hinsehen. Kommunikation auf Augenhöhe – und Gedanken zum Mitnehmen, wie auf einem guten Flohmarkt. Stöber Dich durch. Nimm mit, was Dir guttut. Und den Rest lässt Du einfach hier… 🌱💚

Unordnung kann Reichtum sein

Wann hast Du das letzte Mal am Straßenrand angehalten – nicht mit dem Auto, sondern mit Deinem Blick? Oder bei einem Spaziergang, auf dem Weg zum Supermarkt oder einfach im Vorbeigehen? Und hast bemerkt, was dort so wächst?

Zwischen Asphaltkante und Laternenmast blüht oft ein kleines Wunder. Während wir uns auf unseren akkurat gepflegten Grünflächen manchmal die Augen reiben müssen, um überhaupt eine Blüte zu entdecken, leuchtet es dort am Rand in allen Farben: Malven, Wegwarten, Mohn, Königskerzen, wilde Möhre, Klee, Natternkopf… Eine Pflanze neben der anderen, wild durcheinander, und doch auf besondere Art harmonisch. Als hätte die Natur hier ihr ganz eigenes Konzert komponiert – ganz ohne Dirigentin, ohne Pflanzplan, ohne Rasenkantenschneider.

Diese wilden Ränder – sie sind keine brachliegenden Problemzonen,
auch wenn sie vielen so erscheinen mögen. Für unser auf Symmetrie, Ordnung und Rasenroboter geeichtes Auge sind sie vielleicht ein Ärgernis. Aber das liegt wohl eher weniger an ihnen – als an uns. Daran, dass wir verlernt haben, was Natur eigentlich ist. Daran, dass wir uns manchmal zu sehr daran gewöhnt haben, die Welt als etwas zu betrachten, das sich uns unterordnen soll – statt umgekehrt.

Das Problem sind also vielleicht nicht diese wilden Ecken, sondern unsere Vorstellung von Perfektion…😉🪴

Denn dort, wo wir nicht dazwischenfunken, entsteht echte Vielfalt. Was wir heute als „Wiese“ bezeichnen, ist oft ein Produkt intensiver Nutzung – z.B. zum Anbau von Grünfutter. Eine grüne Fläche, ja. Aber nicht unbedingt eine lebendige. Der Begriff „Kulturwiese“ klingt sanft, beinahe poetisch – doch in Wahrheit steckt dahinter meist eine Fläche, auf der bestimmte Arten so massiv gefördert wurden, dass andere keinen Platz mehr haben. Hier wachsen im Schnitt gerade einmal 5-10 Arten pro Quadratmeter. (Nebenbei: unser liebevoll gepflegter Rasen bringt es nur noch auf 1-3 – aber das schön ordentlich…😉) Gräser dominieren, Blühpflanzen fehlen, und der Artenreichtum ist verarmt. Einheitsgrün statt Vielfalt und Farbexplosion.

Zum Vergleich jetzt mal das, was die Natur eigentlich auf Lager hat, wenn man sie in Ruhe machen lässt: auf einer intakten Magerwiese (also einer Fläche, die nicht gedüngt und landwirtschaftlich genutzt wird) gedeihen oft 30, 40 – ja, manchmal sogar über 50 Pflanzenarten pro Quadratmeter. Jede von ihnen mit einem eigenen Lebenskonzept – angepasst an alle erdenklichen Einflüsse wie Trockenheit, Hitze, große Nässe, Konkurrenz, Fressfeinde und nährstoffarmen Boden. Meisterinnen der Strategie, über Jahrhunderte perfektioniert.

Vielen von uns ist gar nicht bewusst, dass nährstoffarme Böden – was uns als Mangel erscheint – in Wirklichkeit die Grundlage für diese unglaubliche Artenvielfalt darstellen…🌱

In der Natur gilt: weniger Nährstoffe – mehr Leben. Ein Prinzip, das der Logik unserer Überflussgesellschaft zu widersprechen scheint und doch wunderbar funktioniert.

Diese wilden Ecken – dort findet Leben statt. Sie erinnern uns daran, welcher Reichtum uns umgibt, wie harmonisch Verschiedenes nebeneinander existieren kann. Brennnesseln neben Glockenblumen. Disteln neben wilden Möhren. Hummeln, Schmetterlinge, Wildbienen – sie alle finden hier Nahrung, Schutz und Lebensraum. Und das ganz ohne Zaun, Saatgut oder Bienenhotel. 🐝🌻💚

Noch kurz ein Blick darauf, wie wertvoll diese wilden Flecken für unsere heimischen Insekten sind: In den letzten Jahrzehnten ist deren Zahl der drastisch zurückgegangen. Studien sprechen von Rückgängen von bis zu 75 % bei der Biomasse fliegender Insekten in manchen Regionen. Und das liegt zu einem großen Teil an dem Verschwinden solcher wilden Flächen. An Überdüngung, Monokulturen, Pestiziden und dem Verlust blühender Lebensräume.

Aber: Wir sind nicht machtlos. Jeder von uns kann etwas tun.

Wenn Du einen Garten hast – ganz gleich, ob groß oder klein –, kannst Du selbst so eine wilde Ecke schaffen. Eine, die sich selbst entfalten darf. Lass einfach mal einen Streifen ungemäht. Schau, was von allein kommt (oder Du verteilst ein Tütchen mit heimischen Wildpflanzen). Und aus eigener Erfahrung sage ich Dir: Das geht richtig fix… 😉🌱.

Auch auf dem Balkon geht was: Lass in den Ritzen einfach mal stehen was da wächst, säe in einem Kübel Wildpflanzen aus….

Je weniger Du eingreifst, desto mehr Leben zieht ein. Hummeln, Marienkäfer, verschiedene Bienenarten, Schmetterlinge, Vögel, essbare Wildkräuter. Manchmal ist genau das die schönste Form von Gartenkunst – wenn wir nicht alles gestalten, sondern etwas geschehen lassen.

Selbst wenn Du keinen Garten hast: verteil doch einfach mal ein paar Samen von Wildpflanzen auf einem Grünstreifen, der ein bisschen Farbe gebrauchen könnte…. 😉

Lass uns doch wieder mehr mit staunenden Augen durch die Welt gehen. Und vielleicht braucht es manchmal nur ein bisschen Mut zum Nichtstun, damit das Leben zurückkehrt – auch in uns. 🌿🦋🐝🐦



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…darf sich auch meine Arbeit wandeln und entwickeln. All das, was ich so unheimlich gerne an andere Menschen vermittle, findet jetzt ein Zuhause unter einem gemeinsamen Dach:

Weil Deine Natur nicht Funktionieren ist – sondern Du selbst zu sein🌱

Und nicht immer so, wie andere Dich gerne hätten.

Ich renoviere und erweitere meine Kurse und sortiere meine Hexenküche neu. Wenn Du schon mal einen kleinen Einblick bekommen möchtest, was auf Dich wartet, dann komm doch einfach mal in meinem Uteversum vorbei – ein Klick auf das Bild bringt Dich direkt dorthin! 🌿