🌿 Willkommen in meinem kleinen digitalen Kräutercafé. Hier gibt’s Wildkräuter, Naturwissen, gedankliche Streifzüge und kleine Pausen fürs bewusste Hinsehen. Kommunikation auf Augenhöhe – und Gedanken zum Mitnehmen, wie auf einem guten Flohmarkt. Stöber Dich durch. Nimm mit, was Dir guttut. Und den Rest lässt Du einfach hier… 🌱💚

„Wann soll ich Wildkräuter denn am besten sammeln?“ Ein Streifzug durch Jahreszeiten, Tageszeiten und alte Rhythmen


Hast Du schon einmal erlebt, wie anders eine Wiese am frühen Morgen duftet als in der hellen Mittagssonne? Dass im Wald bei Sonnenuntergang eine ganz andere Atmosphäre herrscht? Wie manchmal der Schnee im Spätherbst schon in der Luft liegt – es buchstäblich nach Schnee riecht? Welcher intensive Geruch nach „frischer Erde“ bei Regen nach langer Trockenheit aufsteigt?

Dann hast Du den ersten Schritt in die Welt des Wildkräutersammelns bereits getan. Denn Wildkräuter zu sammeln, ist weit mehr als das bloße Pflücken von Pflanzen. Es ist ein Lauschen, ein Schauen, ein sich Einstimmen auf etwas, das größer ist als jede Uhrzeit: der Rhythmus der Natur.

Die Natur hält fast das ganze Jahr über ihre Schätze für uns bereit – jedes Kraut und jeden Baum zu seiner Zeit. Manches können wir das ganze Jahr über für uns nutzen, wie beispielsweise die Brennnessel oder den Löwenzahn, andere Pflanzen haben einfach „ihre Saison“ – wie der Bärlauch, die Hagebutten, die wirksamen Blüten des Johanniskrauts.

Frühling – wenn das Grün erwacht

Wenn die Tage wieder länger werden, das Licht langsam wieder die Oberhand gewinnt und die Temperaturen steigen, dauert es nicht lange und die ersten leckeren Frühlingsboten laden uns dazu ein, mit dem Sammelkorb loszuziehen. Gerade die jungen Pflanzen stecken voller Lebensenergie und zeigen sich von ihrer zartesten, nährstoffreichsten Seite. Zwar kann man im zeitigen Frühjahr auch noch die Wurzeln ernten, aber die ganze Kraft wandert jetzt in den oberirdischen Teil der Pflanze.
Alles dreht sich um das junge frische Grün, das jetzt noch am zartesten und mildesten schmeckt. Je weiter die Pflanzen wachsen, desto kräftiger werden ihr Aroma und die Struktur der Blätter.

Im späten Frühjahr dürfen wir uns auch über die ersten essbaren Blüten freuen, wie die des Löwenzahns, des Gänseblümchens, des Gundermanns oder die des Ehrenpreises.

Sommer – voller Kraft und Vitalität

Die Wildpflanzen tragen jetzt die volle Energie der Sonne in sich und entfalten ihre volle Kraft – ihre ganze Energie ist nach außen gerichtet. Der Sommer ist die Zeit der verschwenderischen Pracht und Fülle, der überschwänglichen Lebensfreude – er ruft uns dazu auf, nach draußen zu gehen, die Sinne zu öffnen und diese Fülle zu genießen. Jetzt ist Erntezeit für viele Blätter und vor allem Blüten. Schafgarbe, Rotklee, Lavendel, Ringelblume, Malve – die Liste ist lang… 💕🌸

Der Klassiker des Sommers ist das Johanniskraut: Die wundervollen gelben Blüten werden um den Johannistag, den 24. Juni gesammelt. Wer denkt bei dieser Farbe nicht an Sommer…? ☀️

Herbst – die Wurzelzeit beginnt

Wenn sich die Blätter verfärben, zieht sich die Kraft der Pflanzen zurück – nach unten, in die Wurzeln. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um z.B. Löwenzahnwurzeln, Beinwell, oder Baldrian zu sammeln. Auch Früchte und Samen wie Hagebutten, Holunderbeeren, Schlehen oder Brennnesselsamen sind jetzt reif – kleine Kraftpakete für den Winter.

Winter – In der Natur die Zeit der Pause

Im Winter ruht die Natur. Und wir (eigentlich) mit ihr. Traditionell wird ab dem 1. November (Allerheiligen, bei den Kelte Samhain) nicht mehr gesammelt – ab diesem Zeitpunkt gehört bis zum nächsten Frühjahr alles Mutter Erde, die über den Winter Kraft sammelt, um uns im nächsten Jahr wieder mit ihrer reiche Fülle beschenken zu können.

Jetzt ist die Zeit, die Schätze die wir über das Jahr haltbar gemacht und eingelagert haben, zu genießen – bis mit dem neuen Licht und dem frischen Grün der Kreislauf von Neuem beginnt…🌱


Die beste Tageszeit

Damit die Pflanzen zum Sammelzeitpunkt voller Inhaltsstoffe stecken, frisch und aromatisch sind, darfst Du beim Sammeln ein paar Dinge beachten.

Ein guter Zeitpunkt ist der Vormittag, wenn der morgendliche Tau getrocknet ist, aber es noch nicht zu warm ist – meist zwischen 9 und 11 Uhr. Das ist natürlich abhängig von der Jahreszeit, im April wird es naturgemäß später hell als im Juni…😉 Im Laufe eines trockenen Tages geben die Pflanzen immer auch Feuchtigkeit ab und können so an Frische verlieren. Kurz vor der Mittagswärme haben sie auch den höchsten Gehalt an ätherischen Ölen, bei zu hohen Temperaturen gehen diese zunehmend verloren, wie alle anderen wertvollen Inhaltsstoffe auch. Am späten Nachmittag zieht sich die Kraft für die Nacht in Richtung Wurzel zurück.

Was ist bei Regenwetter?

Grundsätzlich gilt: sammle an trockenen Tagen, im besten Fall hat es auch ein oder zwei Tage vorher nicht geregnet. Denn sobald die Pflanzen mit Wasser in Kontakt kommen, werden sofort wertvolle wasserlösliche Inhaltsstoffe herausgewaschen. Das ist besonders wichtig, wenn Du die Kräuter für Deine Hausapotheke nutzen möchtest. Aber auch für die Verwendung in der Küche ist das einfach schade.

Pflanzen, die nass geerntet werden, werden außerdem schneller welk und unansehnlich, lassen sich schlechter trocknen, haltbar machen und schimmeln wesentlich leichter. Und sie brauchen einfach eine gewisse Zeit, um wieder komplett durchzutrocknen…

Ein sonniger, leicht bewölkter Tag ist perfekt – nicht zu heiß, nicht zu kalt, nicht zu feucht. So wie ein Spaziergang im Lieblingspullover. 🌤️

Eines ist mir dabei aber sehr wichtig:
Wildkräuter sammeln soll Freude machen. Und nicht in jedem Tagesablauf lässt sich der optimale Sammelzeitpunkt umsetzen. Wer den ganzen Tag arbeitet, dem bleibt einfach nur der Abend oder das Wochenende – die Zeitfenster sind dann schlicht und ergreifend begrenzt. Bevor Du also auf das Sammeln des wunderbaren wilden Grün verzichtest, weil Du denkst, dass Du das nur zum perfekten Zeitpunkt darfst:

Versuche den optimalen Punkt zu erwischen – aber sammle unbedingt dann, wann Du Zeit dafür hast! Nimm lieber den Nährstoffverlust in Kauf und verarbeite Wildkräuter in diesem Fall sofort – iss sie einfach gleich auf… 😉😋

Achte nur für die Hausapotheke darauf, keine nassen Pflanzen zu verarbeiten ☀️



🌙 Mondphasen – alte Weisheit mit neuer Neugier

Vielleicht hast Du schon gehört, dass die Mondphasen nicht nur die Gezeiten beeinflussen, sondern auch die Wirkung und Erntequalität von Pflanzen. Ob man nun an die Kräfte des Mondes glaubt oder eher naturwissenschaftlich denkt – viele Kräuterkundige darauf.

Ich persönlich richte mich nach Möglichkeit ebenfalls danach – einfach, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Pflanzen, die zur „richtigen Zeit“ geerntet werden, oft intensiver duften, aromatischer schmecken oder sich besser trocknen lassen. Und es macht auch einfach Freude, sich im Rhythmus der Natur zu bewegen. 🌔

🌒 Zunehmender Mond

Diese Phase steht für das Aufbauen, Nähren und Wachsen. Die Säfte in den Pflanzen steigen auf, die Energie richtet sich nach oben – in Richtung Blätter, Blüten und Samen.
🔹 Ideal für die Ernte von Blütenkräutern, aromatischen Blättern (z. B. Minze, Melisse) und für alles, was anregend oder belebend wirken soll.
🔹 Auch gut zum Ansetzen von Tinkturen oder Ölen, bei denen eine stärkende, öffnende Wirkung erwünscht ist.


🌕 Vollmond

Zum Vollmond sind Pflanzen auf ihrem energetischen Höhepunkt. Manche sprechen davon, dass sie dann besonders wirkstoffreich oder „aufgeladen“ sind.
🔹 Perfekt für Rituale, besonders kostbare Ernten, oder wenn Du eine starke Verbindung zur Pflanze spüren möchtest.
🔹 Auch beliebt für das Sammeln von Kräutern für Räuchermischungen, Teezeremonien oder stärkende Hausmittel.


🌘 Abnehmender Mond

Jetzt beginnt die Phase des Rückzugs und der Konzentration. Die Kräfte ziehen sich langsam wieder Richtung Erde zurück – die Pflanzen richten ihre Energie mehr nach unten.
🔹 Ideale Zeit zum Sammeln von Wurzeln, Rinden, Früchten mit erdender Wirkung
(z. B. Löwenzahnwurzel, Beinwell, Hagebutten).
🔹 Auch gut für das Trocknen oder Konservieren, da die Pflanzen weniger Wasser einlagern und sich besser haltbar machen lassen.


🌑 Neumond

Der Neumond gilt als die unsichtbare Phase des Übergangs – ein guter Moment für Ruhe, Innenschau und Reinigung, auch innerlich.
🔹 Nicht ideal zum Sammeln, da die Pflanzenkräfte sich tief zurückziehen.
🔹 Dafür eine gute Zeit zum Räuchern, Loslassen, Meditieren, oder um neue Vorhaben bewusst zu setzen – z. B. ein Kräuterprojekt, das Du wachsen lassen möchtest.


Natürlich ersetzt der Mondkalender kein waches Auge und keine gute Beobachtung. Wenn eine Pflanze blüht, leuchtet oder ruft – dann ist sie wahrscheinlich genau jetzt bereit. Und manchmal ist der beste Zeitpunkt schlicht: der, an dem Du draußen bist. 🌻

Aber vielleicht magst Du die Mondphasen als eine weitere Einladung sehen, noch ein bisschen feiner hinzuspüren – und Deinen Kräutermomenten eine zusätzliche Tiefe und Schönheit zu geben. Auch hier gilt: Probier es aus, spür in Dich hinein. Vielleicht bemerkst Du Unterschiede. Vielleicht auch nicht. Es geht nicht um Dogma, sondern um Beziehung.


Was das Sammeln eigentlich ist: eine Begegnung

Egal ob Frühling oder Herbst, Sonne oder Nebel: Der beste Zeitpunkt zum Wildkräutersammeln ist immer auch der Moment, in dem Du wirklich da bist. Mit allen Sinnen. Ohne Eile. Mit Respekt.

Wildkräuter sammeln ist kein Abhaken einer Liste – es ist ein Gespräch mit der Natur. Manchmal wortlos, manchmal mit innerem Lächeln. Und ganz oft mit Dankbarkeit im Herzen.

Also nimm Dir Zeit. Schau, wer Dir begegnet. Und frag die Pflanze vielleicht einfach mal: „Bist Du heute bereit?“ – Du wirst spüren, wenn die Antwort „Ja“ ist. 💕🌿



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…darf sich auch meine Arbeit wandeln und entwickeln. All das, was ich so unheimlich gerne an andere Menschen vermittle, findet jetzt ein Zuhause unter einem gemeinsamen Dach:

Weil Deine Natur nicht Funktionieren ist – sondern Du selbst zu sein🌱

Und nicht immer so, wie andere Dich gerne hätten.

Ich renoviere und erweitere meine Kurse und sortiere meine Hexenküche neu. Wenn Du schon mal einen kleinen Einblick bekommen möchtest, was auf Dich wartet, dann komm doch einfach mal in meinem Uteversum vorbei – ein Klick auf das Bild bringt Dich direkt dorthin! 🌿