Heute hat es sich auch bei uns auf 700 Metern draußen das erste Mal so richtig nach Frühling angefühlt: Sonne, warm genug um Türen und Fenster offen zu lassen, summende Bienen, zwitschernde Vögel, die ersten Krokusse und Wildkräuter in der Wiese… 💕
Als würde sich die Natur freuen, endlich wieder loszulegen… 🌱
Die Vorbereitungen dafür beginnen schon im Herbst, bevor der Winter die Ruhephase einläutet. Besonders faszinierend finde ich dabei die Knospen von Bäumen, Büschen und Sträuchern. Sie sind zu dem Zeitpunkt, wenn die Blätter fallen, nämlich schon angelegt und an den Zweigen auch schon zu sehen. Sie trotzen der Kälte, warten geduldig und entfalten ihr Potenzial erst dann, wenn die Bedingungen stimmen – wenn die Sonne wärmt, der Boden feucht genug ist und der richtige Moment gekommen ist. So verliert die Natur keine Zeit: perfekt vorbereitet kann es im Frühjahr ohne Verzögerung direkt losgehen.
Knospen sind so winzig und unscheinbar – aber voller Leben. Manchmal steckt die größte Kraft eben auch in den kleinsten Dingen…

Es ist erstaunlich, dass eine einzelne Knospe all das in sich trägt, was die Pflanze im kommenden Jahr braucht. Den gesamten Bauplan. Welche Stoffe wann zum Einsatz kommen, wie Blätter gebildet werden, wann sie blüht, wie die Blüten aussehen, ob erst die Blätter oder erst die Blüten zu sehen sein werden, welche Farbe sie haben, wie die Form aussieht, wie sie sich fortpflanzt… und aus jeder einzelnen Knospe zaubert die Natur erst eine Blüte – und wenn alles passt, eine reife Frucht, die die Samen in sich trägt. Aus denen entwickelt sich eine neue Pflanze und der Kreis schließt sich…
So eine Knospe ist also ein konzentriertes kleines Kraftpaket voller Energie – in ihr steckt das ganze Potenzial der Pflanze in der reinsten und kraftvollsten Form.
Die Gemmotherapie, eine spezielle Form der Pflanzenheilkunde, macht sich das zunutze und konzentriert sich auf die Heilkraft von Knospen und jungen Trieben. Der Name stammt vom lateinischen „gemma“ ab, was sowohl „Knospe“ als auch „Edelstein“ bedeutet – ein schöner Hinweis darauf, wie wertvoll diese Pflanzenteile sind. Knospen enthalten das gesamte genetische Potenzial der Pflanze sowie eine hohe Konzentration an Enzymen, Wachstumshormonen, Vitaminen und Mineralstoffen, wie sie in den vollständig entwickelten Pflanzen so nicht mehr zu finden ist.
In der Gemmotherapie werden Knospen und junge Triebspitzen meist als Mazerate in Glycerin, Alkohol und Wasser extrahiert und in Tropfenform angewendet. Entwickelt wurde diese Methode von dem belgischen Arzt Pol Henry in den 1950er-Jahren. In der Phytotherapie werden diese Knospenauszüge zur Unterstützung des Immunsystems, zur allgemeinen Stärkung und als sanfter Ausgleich bei hormonellen Ungleichgewichten eingesetzt.
Gründe genug finde ich, sich die Zeit zu nehmen und diese kleinen Wunderwerke der Natur genauer zu betrachten: Ein winziger Knubbel an einem Ast, der unscheinbar in der Winterkälte verharrt, der sich im Frühling zu einer prächtigen Blüte und dann zu einer Frucht entwickelt. Ein Apfel, eine Birne, eine Kastanie – alles beginnt in einer winzigen Knospe… 🍎🍐🌱
Und wenn wir uns das bewusst machen, dann kann uns das auch ein Gefühl der Dankbarkeit geben. Denn in einer Welt voller technischer Errungenschaften, in der vieles auf Knopfdruck funktioniert, erinnert uns die Natur daran, welche unglaublichen Fähigkeiten in ihr stecken, dass sie vollbringt, was wir Menschen nicht nachmachen können. Auch dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen. Die Knospe zeigt uns, dass Wachstum ein natürlicher Prozess ist, dass alles zur rechten Zeit geschieht– und das ist eine stille, aber kraftvolle Botschaft an uns, meine ich…





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